Nachfolgeprozesse sind vielschichtig – und brauchen unterschiedliche Wegbegleiter

Renate Lenhart-Ottinger, Steuerberaterin in der Kanzlei Wenker Ostendorf Partner in Ahaus, und Monika Bone arbeiten zum Thema Nachfolge seit Jahren gemeinsam für ihre Mandanten. Das sind vor allem mittelständische Familienunternehmen der Region, die mit unterschiedlichen Fragestellungen zur Nachfolgeberatung auf die beiden Expertinnen zukommen.

Mitten im Corona-Sommer treffen sich die beiden unterschiedlichen Wegbegleiterinnen für einen Interview-Spaziergang rund um die Themen Generationenwechsel, Nachfolge und Übergabe. In diesem Artikel finden Sie die Fragen von Monika Bone an die Steuerberaterin Renate Lenhart-Ottinger.

MB: „Frau Lenhart-Ottinger, schön, dass Sie auf diesen sommerlichen Spaziergang mitgekommen sind. Steuerberater und ihre Mandanten haben ein langjährig gewachsenes Vertrauensverhältnis. Gibt es einen Rhythmus, in dem Sie Ihre Mandanten sehen, wo Sie dann auch über besondere Themen wie z. B. über Unternehmensnachfolge sprechen?“

RLO: „Ja, wir besprechen nicht nur einmal im Jahr Abschluss und Buchführungsauswertung, das entspricht eher dem Bild des Steuerberaters der Vergangenheit. Heute sind wir fast immer dabei – und da spreche ich über mehrmals im Jahr – persönlich, telefonisch, alle Kontaktmöglichkeiten, die es heute gibt, werden wahrgenommen, um bei Veränderungen den Steuerberater unmittelbar zu integrieren. Das kann um eine brenzlige Auftragslage gehen, um Terminarbeiten, um die Erweiterung einer Halle, um Personalfragen und vielleicht auch um private Dinge. Sie hören, in jedem Bereich sind wir dabei.“

MB: „Was ist der Auslöser oder welche Fragestellung ist wichtig, damit ein Unternehmer oder eine Unternehmerin erstmalig mit Übergabegedanken auf Sie zukommt?“

RLO: „Eine Situation, die wir alle kennen, ist klar: der Tod. Es kann aber auch eine Erkrankung sein, die eigene oder die von Familienangehörigen, die zum Nachdenken bringt. Wie kann ich da vielleicht helfen, wie habe ich Zeit? Wie läuft mein Unternehmen weiter? Die Not als Auslöser oder der Lauf der Zeit: Die Kinder haben eine Ausbildung gemacht, man hat sich früh schon entschieden, nun ist die Prüfung abgelegt, die Kinder waren vielleicht auch beim Mitbewerber, um Erfahrungen zu sammeln, und dann kommen wir als Steuerberater ins Spiel, um zu schauen, wie wir die einzelnen Themen und Schritte zusammenbringen, um die Nachfolge vorzubereiten. Es können aber auch andere Themen sein: Branchenveränderung, Veränderungen am Markt – denken wir nur an die Digitalisierung, und dann trauen sich Unternehmer das nicht mehr allein zu. Das hat auch damit zu tun, dass man unter Umständen noch einmal viel Geld in die Hand nimmt. Und dabei kommt die Idee der Nachfolgeregelung auf den Tisch. Dann gehen wir gemeinsam in die Vorbereitung, damit der Unternehmer oder die Unternehmerin diesen großen Schritt nicht allein bewältigen muss.“

MB: „Welche Erfahrungen haben Sie bei diesem sensiblen Thema der Unternehmensnachfolge mit Partnerschaften gemacht?“

RLO: „Gute. Mein Netzwerk besteht aus verschiedenen Partnerschaften. Ich habe Sie als Übergabecoach schon des Öfteren ins Boot geholt, wodurch Übergabeprozesse sehr erfolgreich verliefen. Die Erfolgskriterien dafür: Die Zusammenarbeit war offen und vertrauensvoll, und wir haben uns mit unseren unterschiedlichen Beratungsschwerpunkten ergänzt, das ist immer sehr wichtig. Unabhängig davon sind meine Empfehlungen neutral, damit der Mandant sich nicht verpflichtet fühlt. Er lernt Sie selbst in einem ersten Gespräch als potenziellen Übergabecoach kennen.
Zu unserem Netzwerk gehören noch weitere Partner, wie die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Borken, die Kammern und Verbände und die Banken mit ihren Börsen, die auch gerne vermitteln. Wir möchten unseren Kunden helfen und das Mandat behalten, das des Übergebers und das des Übernehmers. Das ist uns in der Vergangenheit zur Zufriedenheit aller oft gelungen.“

MB: „Familienunternehmen prägen unsere Region. Dass die Unternehmen so erfolgreich bleiben, auch in der nächsten Generation, dazu wollen wir beitragen. Für Sie und mich ist es ein wichtiger Antrieb, Unternehmen auf dem Weg in die Zukunft zu unterstützen.“

RLO: „Richtig. Wir kommen aus der Region, wir können auch mitreden. Meine eigene Übergabe der Kanzlei vor einigen Jahren kommt mir jetzt, wo ich älter werde, zugute. Ich habe selbst erfahren, was  dabei wichtig war. Beraten ist die eine Sache, aber eigene Erfahrungen einer Übergabe mitzubringen, ist für Mandanten oft enorm wichtig und hilfreich.“

Monika Bone:
Not oder Tod? Transformatives Coaching unterstützt Sie dabei, rechtzeitig und mit allen Beteiligten eine Vision für ein erfülltes Leben nach der Übergabe zu entwickeln.

Im zweiten Teil des Interviews finden Sie die Fragen von Renate Lenhart-Ottinger an Monika Bone zum Übergabe-Coaching. Das gesamte Interview lesen Sie schon heute auf der Online-Plattform "Fussstapfen":

https://fussstapfen.com/themen/detail/themenunternehmensnachfolge-coaching-nachfolgeprozesse-sind-vielschichtig-und-brauchen-unterschiedliche-wegbegleiter

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